Dormagener Wahlprüfsteine zur Kommunalwahl 2020 zur frühkindlichen Bildung

Der Jugendamtselternbeirat (JAEB) der Stadt Dormagen hat René Schneider um die Beantwortung von Fragen gebeten, die den Eltern einekonkrete Vorstellung davon geben sollen, was sie von ihm in Bezug auf die frühkindliche Bildung und Familienfreundlichkeit erwarten können. Hier können Sie seine Antworten auf die Fragen einsehen:

A) Welche Ansätze sehen Sie um gegen den Fachkräftemangel, welcher auch im Bereich der
Kindertageseinrichtungen besteht, vorzugehen? Welche Vorschläge haben Sie um Fachpersonal für eine Tätigkeit bei der Stadt Dormagen zu begeistern? Wie stehen Sie zu finanziellen Anreizen oder individuellen Vorteilen bei Vertragsabschluss?

Die Stadt Dormagen unterhält lediglich 6 – wenn man die KiTas der Dormagener Sozialdienst gGmbH dazurechnet – 10, der insgesamt 30 KiTas in Dormagen. Schon, weil im KiTa-Bereich das Subsidiaritätsprinzip gilt und eine vielfältige Trägerlandschaft den Eltern Wahlmöglichkeiten bieten soll, halte ich die Tarifautonomie der Tarifparteien im Bereich der Erziehung für ein hohes Gut.

Eine übertarifliche Bezahlung oder zusätzliche Anreize (finanziell oder ein Vorteilsprogramm), halte ich für falsch, da sich dadurch die Situation nicht verbessert, sondern sich nur eine Verschiebung des Problems ergeben würde, da sich aufgrund dessen ein Abwandern des Personals von den freien Trägern zur Stadt ergeben würde und man die KiTa-Infrastruktur in Dormagen – aber auch über die Kommunalgrenzen Dormagens hinweg – schwächt.

Den eingeschlagenen Weg des Dormagener Modells halte ich für richtig und wichtig, weil er motiviert in Dormagen – mit den vielfältigen Programmen für frühkindliche Bildung und Teilhabe – für eine KiTa zu arbeiten – außerdem halte ich es für notwendig, die KiTas gemeinsam mit den Trägern konsequent umzubauen und einem Masterplan zu entwickeln, der den Erziehern Perspektiven und Mitgestaltung ihres Arbeitsplatzes ermöglicht und ihnen klar Zukunftsperspektiven aufzeigt. Damit können wir dann als Standort Dormagen mit allen KiTas positiv am Arbeitsmarkt punkten!

B) Welche Schlüsse ziehen Sie aus den vergangenen Monaten während der Pandemie in Bezug auf die frühkindliche Bildung? Haben Sie Vorschläge, was in zukünftigen vergleichbaren Situationen anders gelöst werden soll?

Zunächst einmal: Niemand im Bereich Bildung und Erziehung war organisatorisch (Hygienemaßnahmen usw.) auf die Pandemie vorbereitet und der Lockdown hat die Familien am härtesten getroffen. Im Falle einer zweiten Welle oder einer erneuten pandemischen Lage können wir sicherlich schneller mit Hygienemaßnahmen und weniger Einschränkungen für die Betreuungsangebote reagieren – auch die Familien und das Personal haben gelernt, mit der Lage umzugehen, sodass ich z.B. für eine etwaig neuen Lockdown die „Notbetreuung“ nicht mehr beschränken, sondern auf Freiwilligkeit und persönlicher Einschätzung der Bedarfe setzen würde.

Ich denke, man kann auf der Grundlage der Erfahrungen schneller reagieren und Maßnahmen für die Kinder mit ihren Familien weniger drastisch gestalten!

C) Wie beurteilen Sie die Betreuungsqualität in den städtischen Kindertageseinrichtungen, sowohl im Hinblick auf die Personalsituation als auch auf die räumliche Ausstattung?

Die Qualität der städtischen und auch der KiTas der freien Träger in Dormagen ist im interkommunalen Vergleich überdurchschnittlich hoch. Das gilt natürlich nicht für jede KiTa und gerade der städtische Eigenbetrieb kommt im Bereich der städtischen KiTa nicht immer den Ansprüchen an eine moderne, funktionale KiTa nach! Auch hier greift unser Ansatz des „Masterplan KiTa“, der auf einen bedarfsgerechten Ausbau der Kindergartenlandschaft, unter Berücksichtigung der Kindertagespflege, in Kooperation mit Trägern und Investoren setzt.

Es muss z.B. über eine Roadmap festgelegt werden, welche zusätzlichen Plätze in welchem Stadtteil wann geschaffen oder auch umgebaut (nicht baulich, sondern im Sinne von U2/3 und Ü3 Plätzen) werden müssen. Hier ist eine präzisere Bedarfsplanung von Nöten. Der aktuelle Kindergartenbedarfsplan ist dazu viel zu unpräzise und bedarf einer dringenden Überarbeitung im Hinblick auf die bessere Steuerung der Entwicklung von Betreuungseinrichtungen in unserer Stadt.

D) Wie wird Integration von Familien mit Migrationshintergrund in den Kitas umgesetzt und in welchen Bereichen sehen Sie dort Verbesserungspotential?

Im Bereich der Integration setze ich weiter auf den konsequenten Ausbau des Dormagener Modells und die weitere Qualitätssteigerung der dort verankerten Vernetzung von KiTa mit den Hilfebereichen und Institutionen der Sozial- und Integrationsbereiche. Der Weg der Familienzentren mit Zusatzangeboten wie z.B. der Sprachförderung, nicht nur für Kinder, sondern auch für Eltern (sog. Rucksackprogramme), ist etabliert und sollte ausgebaut werden – dazu gehört auch die ständige Fortbildung der Erzieherinnen und Erzieher und die klarere Zielformulierung an die städtische KiTa-Koordination darauf einen größeren Fokus zu legen!

E) Was kann die Stadt Dormagen tun, um attraktiver für Familien mit kleinen Kindern zu werden? Welche Projekte sind bereits unternommen worden und für welche setzen Sie sich in der nächsten Legislaturperiode als Bürgermeister ein?

Die Stadt Dormagen ist in meiner Wahrnehmung bereits durch diverse Maßnahmen über alle Ressorts hinweg hochattraktiv für Familien mit Kindern. Entsprechende Kinderboni bei den Verfahren zur Grundstückvergabe, Betreuungsplatzgarantie ab dem vierten Monat, Beitragsfreiheit für die letzten drei KiTa-Jahre, Beteiligung von Kindern bei Spielplatzplanungen, usw. gibt es bereits.

Kinder stehen im Fokus unserer Politik und das muss auch in Zukunft bei allen Projekten und vor allem auch bei der Finanzwirtschaft der Stadt klar herauszulesen sein. Die Kernforderungen sind dabei: Schuldenabbau, Grundstücksvergabe und Bauplanung für Wohnraum. Hier mit klarem Fokus auf die Schaffung von klimaneutralen, kostengünstigen und familienfreundlichen Wohnraum, sowie ein starkes Hilfenetz (Dormagener Modell)!

F) Elternmitbestimmung ist ein wichtiges Thema und im Kibiz verankert. Stehen Sie verbindlich für die Einhaltung dieser Rechte ein? Welche darüberhinausgehende Zusammenarbeit kommt für Sie in Frage? Themen die hier immer wieder im Gespräch sind ist z.B. die dauerhafte Mitwirkung in der AG 78, z.B. durch Anerkennung des Jugendamtselternbeirats als Träger der Jugendhilfe (§ 75 SGB 8).

Die Mitbestimmung der Eltern für ihre Kinder ist mir wichtig und ich sehe bei entsprechendem Antrag keinen Hinderungsgrund zur Anerkennung als freier Träger und ihrem Mitwirken. Regelmäßiger Austausch mit den gewählten Interessenvertretern in unsere Stadt ist für mich selbstverständlich – im Falle meiner Wahl sollten wir kurzfristig abstecken, wo Erwartungen und Möglichkeiten sind. Ich sage aber auch deutlich, dass die Rechte der Träger, der Einrichtungen und auch der politischen Entscheidungsfindung davon nicht eingeschränkt werden dürfen, sondern sinnvoll ergänzt werden müssen.

G) Wie wird die Anforderung, dass in Zukunft alle Kindertageseinrichtungen inklusiv arbeiten sollen, umgesetzt? Welche Themen wurden bereits angegangen und an welchen Stellen besteht noch Handlungsbedarf? Wie sieht hier die Planung aus?

Das ist eine große Herausforderung, insbesondere für das Personal! Inklusion ist m.E. eine wichtige gesamtgesellschaftliche Forderung, die leistbar gemacht werden muss. Baulich sind KiTas – nicht zuletzt wegen der U2 Vorgaben -, hier auf einem guten Weg, allerdings muss auch die Inklusions-Begleitung der Kinder durchgängig gewährleistet sein, um die Erzieherinnen und Erzieher und damit auch die anderen Kinder in den Gruppen, nicht zu überlasten. Für den Bereich Schule z.B. haben wir hier als CDU Helferpools in Dormagen gefordert und umgesetzt – hier können wir für den KiTa Bereich lernen.